Live-Blog zur Griechenland-Krise
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Live-Blog zur Griechenland-Krise

Verfolgen Sie die Entwicklungen in der Griechenland-Krise in unserem Live-Blog.

    Neben Friedrich und Linnemann hat sich auch Peter Ramsauer von der Union zu Wort gemeldet. Der stellvertretende CSU-Chef forderte Griechenland zum Verlassen der Eurozone auf. 

    Ramsauer warf der griechischen Regierung im ZDF eine "schmutzige Tour" vor. Sie führe ihre Partner "wie Tanzbären durch die Manege".

    Keiner könne mehr nachvollziehen, dass Griechenland immer wieder eine "letzte Frist" gesetzt werde.
    "Aus ökonomischer Sicht gibt es nur einen Weg: mit einer eigenen Währung sich die Wettbewerbsfähigkeit, die Konkurrenzfähigkeit wieder zurückerarbeiten." Dann könnte Griechenland nach "vier, fünf Jahren" gegebenenfalls in die Euro-Zone zurückkehren.
    Auch in der griechischen Presse werden die Ereignisse im Schuldenstreit unterschiedlich bewertet. So reagierte die griechischen Zeitungen auf den Sondergipfel und die auferlegte Frist der Euro-Staaten bis Sonntag...

    Die konservative Traditionszeitung "Kathimerini" schreibt, Alexis Tsipras und sein Ex-Finanzminister Gianis Varoufakis hätten mit dem Schicksal des Landes gespielt und verloren. Die Zeitung titelt:

    Euro oder Drachme bis Sonntag

    Die linke Zeitung "Efimerída ton Syntaktón" titelt:

    Sie (die Gläubiger) wollen eine bedingungslose Kapitulation

    Die Boulevardzeitung "Ethnos" sieht nur noch zwei Optionen:

    Abkommen oder Grexit

    Die konservative Zeitung "Eleftheros Typos" kritisiert Tsipras scharf. Er habe mit "verbrecherischen Aktionen das Land einen Schritt vor den Abgrund manövriert". Hier der Titel:

    Hellas SOS. Sparprogramm für den Verbleib in der EU oder Drachme und ein Griechenland der Ditten Welt

    Die Zeitung "I Avgi" gilt als Sprachrohr der regierenden Linkspartei Syriza. Sie titelt:

    Fünf-Tage-Kampf für eine endgültige Lösung

    Die in Thessaloniki erscheinende Zeitung "Angeliaforos" titelt:

    Letzte Chance am Sonntag

    So geht's weiter...

    "Die Zeit drängt": Seit Wochen wiederholen europäische Politiker diesen Satz. Was das konkret bedeutet, zeigt der
    "Fahrplan" für Griechenland:

    Heute: Donald Tusk und Jean-Claude Juncker sprechen vor dem EU-Parlament zum Thema Griechenland - der griechische Regierungschef Alexis Tsipras wird ebenfalls erwartet. Athen will zudem einen Antrag auf neue Hilfen aus dem Eurorettungsschirm ESM stellen. Darüber könnten die Euro-Finanzminister in einer Telefonkonferenz umgehend beraten. 

    Bis 09. Juli: Die Europartner erwarten, dass die griechische Regierung Vorschläge macht, wie ein Hilfsprogramm des Euro-Rettungsschirms ESM aussehen könne.

    10. Juli: Griechische Staatspapiere mit kurzen Laufzeiten (T-Bills) in Höhe von zwei Milliarden Euro werden fällig und müssten durch neue abgelöst werden. Dieser Termin ist vor allem für das Urteil der Ratingagenturen wichtig.

    12. Juli: Die 28 EU-Staaten wollen bei einem Sondergipfel über die Griechenland-Krise beraten. An diesem Tag endet die von den Staaten gesetzte Frist: Bis dahin müsse Griechenland einen neuen Antrag auf ein drittes Hilfspaket einreichen und die endgültigen Reformvorschläge unterbreiten. 

    13. Juli: Athen muss eine weitere Rate von knapp 500 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen.

    17. Juli: Weitere T-Bills in Höhe von einer Milliarde Euro werden fällig.

    20. Juli: Athen muss insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank zurückzahlen. Sollte diese Zahlung ausfallen, dürfte die EZB laut Experten kaum in der Lage sein, weiter Notfallkredite an griechische Banken zu ermöglichen.


    Die Leser unseres Blogs ärgern sich in den Kommentaren über die Experten-Forderungen an Merkel:

    Zwei linke "Experten" und Jeffre Sachs, dem es gelungen ist in einem Jahr Jugoslawien ruinieren. (ca. 2500 Betriebe mit 1,3 Mio Beschäftigten mußten schließen). Die werden natürlich die Welt retten.yuhuum 8:40

    Ich habe den Brief gelesen aber mit keinem Wort wird erwähnt, daß Griechenland seine dringend benötigte Reformen des Steuer- und allgemeinen Staatswesen in keinster Weise vorgenommen hat! Und da hinkt der Vergleich mit Nachkriegsdeutschland! Ich frage mich, ob die Allianz aus Kommnisten, Marxisten, Leninisten und Rechtspopulisten nicht vielleicht den Grexit schon lange geplant hat!Karin Buttigiegum 8:37

    Ich bin auch Wirtschaftsexperte .. und gegen den Schuldenschnitt für GR . Warum ? Beim IWF droht dann ein Dammbruch - Initialzündung für viee Staaten aus der 3. , 4., und 5. Welt ... und die GR müssen endlich lernen : Man kann zwar ne ganze Weile Schummel , aber dann kommt der Moment der Wahrheit ! .. und da hilft das ganze Gedöns von den stolzen Griechen auch nicht mehr !Rüdiger IHLE, Dresdenum 8:38


    von Daniel Reviol bearbeitet von Alexander Graßhoff,... 7/8/2015 6:45:26 AM

    Neuer Mann, alte Probleme: Der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos (rechts) und sein Vorgänger Gianis Varoufakis, der am Montag zurückgetreten war. (Quelle: AP Photo/Petr David Josek)

    von Daniel Reviol bearbeitet von Alexander Graßhoff,... 7/8/2015 6:49:22 AM
    Bis spätestens Sonntag muss Athen umfassende Reformvorschläge vorlegen - so die Frist der Euro-Staaten. EU-Vizekommissionschef Valdis Dombrovskis bedauert es, dass das gestern noch nicht der Fall war. Doch er hat Hoffnung: "Sie sind bereit, die hoffentlich morgen vorzulegen."

    Warum Reformen so wichtig sind, zeigten die Beispiele anderer Staaten: 
    Länder, die ambitionierte Reformen umgesetzt hätten wie Irland, Portugal, Spanien und auch Lettland, seien zum Wirtschaftswachstum zurückgekehrt. "Die Reformen lohnen sich."

    Dombrovskis ist sich aber auch bewusst, dass es kein Allheilmittel gibt: 
    Jedes Land sei anders und die Umstände seien verschieden. "Das heißt, wir können nicht einfach Copy/Paste machen."
    Bestseller-Autor Piketty ("Das Kapital im 21. Jahrhundert") und seine Kollegen schreiben in ihrem Brief an Merkel:

    Die verschriebene Medizin hat den Patienten ausbluten lassen, aber nicht von der Krankheit geheilt.

    Die Gläubiger müssten daher "eine Kurskorrektur in Betracht ziehen, um ein weiteres Desaster zu verhindern und Griechenland in die Lage zu versetzen, in der Eurozone zu bleiben. Das Land brauche insbesondere eine "wesentliche Verringerung" seiner Schuldenlast.

    Die Ökonomen kritisierten, dass von Griechenland derzeit Reformen verlangt würden, ohne dem Euro-Land einen Schuldenschnitt zu gewähren:  

    Zurzeit wird die griechische Regierung aufgefordert, eine Waffe an ihren Kopf zu halten und abzudrücken. Traurigerweise wird die Kugel nicht nur Griechenlands Zukunft in Europa töten. Der Kollateralschaden wird die Eurozone als einen Leuchtturm der Hoffnung, Demokratie und des Wohlstands töten.

    Die Ökonomen appellieren an Merkel:

    Unsere Botschaft an Kanzlerin Merkel ist klar: Wir rufen dazu auf, diese entscheidende Führungsentscheidung für Griechenland und Deutschland und auch für die Welt zu übernehmen. Die Geschichte wird Merkel für ihre Taten in dieser Woche in Erinnerung behalten.

    Offener Brief an Merkel: Wirtschaftsexperten wollen den Schuldenschnitt

    Der gestrige Sondergipfel zur Griechenland-Krise hat erneut keine Fortschritte im Schuldenstreit gebracht. Ökonomen fordern nun einen Schuldenschnitt und wenden sich direkt an die deutsche Kanzlerin. 

    Angela Merkel solle diesem Schritt zustimmen - denn die Existenz der gesamten Europäischen Union stehe auf dem Spiel.


    Die Sparauflagen der Gläubiger hätten Griechenland nur weiter in eine wirtschaftliche Depression getrieben. Das kritisierte d
    ie Gruppe renommierter Wirtschaftsexperten, darunter Thomas Piketty, Jeffrey Sachs, der frühere Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Heiner Flassbeck.

    Das US-Magazin "The Nation" veröffentlichte den Brief der Ökonomen: Sie können Ihn hier im Original nachlesen.


    Transport bricht zusammen

    Laut EZB-Mitglied Christian Noyer droht Griechenland "Chaos" und "Aufruhr", sollte es nicht bald zu einer Lösung kommen. Chaotische Zustände herrschen aber bereits jetzt im Transport und Verkehr des Landes.


    Die Kapitalverkehrskontrollen führen in Griechenland zunehmend zum Zusammenbruch des Transportwesens:
     Die Unternehmen können ihre Lastwagen nicht betanken, weil die Besitzer täglich nur 60 Euro aus ihren Konten abheben dürfen. Damit können hunderte griechische Lastwagenfahrer im In- und Ausland ihren Treibstoff nicht bezahlen.

    "Ein Lastwagenfahrer braucht 4000 Euro um aus Deutschland nach Griechenland zu kommen", sagte Petros Skoulikidis, Präsident der Transportunternehmen Griechenlands im griechischen Fernsehen. Die griechischen Kreditkarten werden im Ausland nicht mehr akzeptiert.

    Auch im Inland gebe es große Probleme. Lieferungen auf die Inseln sind nur gegen Barzahlung möglich. Auf den Inseln könne es bald zu Versorgungsengpässen kommen, sagten übereinstimmend mehrere Bürgermeister im griechischen Fernsehen.
    Aufruhr und Chaos sind das Ziel der griechischen Regierung. Dann wird die gescheiterte Revolution von 1948 vollendet und Schuldige sind bereits frühzeitig identifiziert.Nixwisserum 9:53

    Der Leser "Nixwisser" ist nicht der Einzige, der eine Linie zieht von der regierenden Syriza-Partei zum griechischen Bürgerkrieg in den 40er-Jahren.

    Europa-Politiker Elmar Brok von der CDU sieht diesen Zusammenhang ebenfalls, wie er vor drei Wochen im Gespräch mit t-online.de erklärte:
    hier nachzulesen.
    Die Griechen können Flugtickets nur noch gegen Barzahlung oder Zahlung mit einer nicht in Griechenland ausgegebenen Kreditkarte erhalten: Mehr als 35 Fluggesellschaften haben die griechischen Reiseagenturen benachrichtigt, dass sie deren Buchungen nicht mehr akzeptieren.

    Die Kunden müssen direkt am Flughafenschalter zahlen.
    Dies bestätigte die griechische Reiseagentur Thisseas. "Es ist leider wahr. Für uns ist es schlimm. Die Reisenden müssen in Bar oder mit nicht in Griechenland ausgegebene Kreditkarten zahlen", sagte eine Sprecherin.
    Die Tagesordnung im Europaparlament wurde geändert. Jetzt spricht der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras.

    Wir halten Sie auf dem Laufenden...
    Finstere Prognose: Es drohen "Aufruhr" und "Chaos"

    Christian Noyer sieht die
    griechische Wirtschaft "am Rande einer Katastrophe"Die Ökonomie des Landes könnte kollabieren, sagte das EZB-Ratsmitglied dem französischen Radiosender Europe 1.

    "Es braucht unbedingt eine Vereinbarung bis kommenden Sonntag - das ist die letzte Frist. Danach ist es zu spät und die Konsequenzen werden schwerwiegend sein", warnte der französische Notenbankchef. In Griechenland drohten dann "Aufruhr" und "Chaos".

    Noyer sagte: Die Europäische Zentralbank müsse die Nothilfen für die griechischen Banken unverzüglich beenden, falls es keine Perspektive für eine Einigung gebe.

    Die Nothilfen seien bis zum Maximum ausgereizt:
     Die EZB könne keine unbegrenzten Risiken eingehen - und die jüngste Verzögerung im Verhandlungsprozess müsse die letzte sein.

    Bislang waren Beobachter davon ausgegangen, dass es für die Banken zum 20. Juli kritisch wird. Sollte Athen an diesem Tag fällige Staatsanleihen
    im Umfang von 3,5 Milliarden Euro, die von der EZB gehalten werden, nicht tilgen, wäre dies "tatsächlich der Fall eines Staatsbankrotts". Das hatte Noyers österreichischer Kollege Ewald Nowotny bereits zuvor erklärt.

    Insider vermuten sogar, dass den griechischen Banken in den nächsten Tagen das Geld ausgehen wird. Ein Banker geht davon aus, dass bereits heute Geldautomaten leer sein werden.

    Griechenland hat den Antrag auf neue Milliarden beim Euro-Rettungsschirm ESM gestellt. Was bedeutet das? Was geschieht als nächstes?

    Die Euro-Arbeitsgruppe des ESM wird über den Antrag beraten. Erfüllt er die notwendigen Voraussetzungen, leitet die Euro-Gruppe ihn weiter an die Institutionen der früheren Troika: Europäische Zentralbank (EZB), Internationaler Währungsfond (IWF), EU-Kommission. Für Griechenland ist derzeit besonders die EZB wichtig, da sie die Banken des Landes noch mit Geld versorgt.

    Die Institutionen müssen dann drei Punkte prüfen: Ist die Stabilität der Eurozone gefährdet? Wie hoch ist der finanzielle Bedarf Griechenlands für die Programmdauer? Wie steht es um die Schuldentragfähigkeit des Staates?

    Anschließend kommt es vor allem auf die Reformvorschläge der griechischen Regierung an. Tsipras kündigte an, diese in zwei Tagen vorzulegen. Diese werden erneut von den Finanzministern bewertet. 

    Spätestens am Sonntag soll es zu einer Einigung kommen: Dann könnten die 28 Mitgliedsstaaten ein langfristiges Programm beschließen, das Griechenland einerseits zu Strukturreformen verpflichtet und andererseits zu Wachstum verhilft.


    Tsipras bei seiner Rede im EU-Parlament. (Quelle: dpa) 

    Tsipras legt provokanten Auftritt im EU-Parlament hin 

    Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich heute dem Europäischen Parlament in Straßburg gestellt. Er verkündete, dass Griechenland einen neuen Antrag für Rettungsmilliarden beim Eurorettungsschirm ESM gestellt habe. Detaillierte Vorschläge seiner Regierung für "realistische Reformen" sollen in den nächsten zwei Tagen folgen. 

    Tsipras wetterte zudem einmal mehr gegen die Gläubiger: Er behauptete, dass vor dem Referendum am letzten Sonntag "Terrorismus" auf Griechenland ausgeübt wurde. Die Schuld für die zugespitzte Lage sieht er vor allem in der Sparpolitik der Institutionen.

    In keinem anderen verschuldeten Staat in Europa seien die Sparauflagen so streng und lang gewesen, erklärte Tsipras. "Griechenland wurde zu einem Versuchslabor der Sparpolitik - und die Versuche sind fehlgeschlagen.Deshalb brauche sein Land nun ein "zukunftsgerichtetes Wachstumsprogramm"


    Tsipras gestand zugleich Missstände in Griechenland: Das Land befinde sich auch deshalb in der Krise, weil jahrelang "Korruption, Vetternwirtschaft und Klientelismus" geherrscht hätten.

    Glückliches Ende: Australier hilft weinendem Rentner

    www.t-online.deGlückliches Ende für den weinenden Rentner von Thessaloniki: Sein Schicksal sorgte in den sozialen Netzwerken für Aufsehen. Ein Mann erkannte ihn wieder und beschloss, zu helfen.
    von Daniel Reviol bearbeitet von Alexander Graßhoff,... 7/8/2015 10:53:31 AM
    Spekuliert die griechische Regierung auf Hilfe aus Russland? Nein, sagt Andrej Kostin, der Vorstandsvorsitzende der russischen VTB-Bank.

    Russland sei nicht in der Lage, bei der Lösung der Schuldenkrise zu helfen. Europa habe das Problem selbst geschaffen und sollte es auch selbst lösen, so der Chef der zweitgrößten russischen Bank.
    Star-Ökonom Thomas Piketty hat sich in einem offenen Brief an Angela Merkel gewendet, wie wir heute Morgen berichteten. Gemeinsam mit Kollegen forderte er den Schuldenschnitt für Griechenland.

    Der Autor von "Das Kapital im 21.
    Jahrhundert" hatte sich aber schon Ende Juni in einem "Zeit"-Interview über die Griechenland-Krise geäußert. Piketty erklärte darin, dass gerade Deutschland, den Griechen nicht die Unterstützung verweigern dürfe:

    Wenn ich die Deutschen heute sagen höre, dass sie einen sehr moralischen Umgang mit Schulden pflegen und fest daran glauben, dass Schulden zurückgezahlt werden müssen, dann denke ich: Das ist doch ein großer Witz! Deutschland ist das Land, das nie seine Schulden bezahlt hat. Es kann darin anderen Ländern keine Lektionen erteilen.


      Zum kompletten Interview geht es hier.


    User "Karben61" will endlich Taten sehen und zitiert aus Goethes "Faust":

    Der Worte sind genug gewechselt,
    Laßt mich auch endlich Taten sehn!

    Indes ihr Komplimente drechselt,
    Kann etwas Nützliches geschehn.
    Was hilft es, viel von Stimmung reden?
    Dem Zaudernden erscheint sie nie.Karben61um 13:22

    EZB droht mit vollständigem Geld-Stopp

    Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt die griechische Regierung unter Druck
    Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte, dass die Notenbank heute über die Notfallkredite für Griechenland beraten werde.  

    Sein Kollege Christian Noyer hatte zuvor erklärt, dass die EZB ihre Unterstützung für Griechenland beenden werde, wenn keine politische Einigung auf ein neues Rettungsprogramm in Sicht sein sollte: 

    Unsere Regeln zwingen uns dann zu einem vollständigen Stopp

    Die EZB müsse die Unterstützung auch dann einstellen, wenn das griechische Bankensystem komplett zusammenbricht. Dies werde passieren, wenn Griechenland seine Kredite nicht mehr bedient. "Wir sehen die Katastrophe kommen, wenn keine Entscheidung getroffen wird", prophezeite Noyer.

    Nowotny bekräftigte: Eine Brückenfinanzierung bis zum Sonntag sei nur bei einer politischen Übereinkunft möglich - und e
    ine Erhöhung der Mittel darüber hinaus nur "sehr schwer vorstellbar".

    Liebe Leserinnen und Leser,

    vielleicht geht's Ihnen ein wenig wie uns und sie haben das Gefühl, in den letzten Tagen den Überblick bei der Fülle an Nachrichten und Institutionen, die uns zum Thema Griechenland begegnen, zu verlieren. Drum haben wir uns gedacht: Testen Sie doch einfach Ihr Wissen zur Sachlage! Kollege Altintop hat deshalb ein Quiz gebaut - finden Sie hier heraus, was sie über die Griechenland-Krise wissen!
    Last-Minute-Urlauber bleiben weg

    Die Zahl der Last-Minute-Buchungen von Reisen nach 
    Griechenland ist dramatisch eingebrochen. Sie sei seit der Ankündigung des inzwischen abgehaltenen Referendums vor anderthalb Wochen um 30 Prozent zurückgegangen, sagte der Chef des griechischen Tourismusverbands, Alexander Lamnidis. Für gewöhnlich handelt es sich bei etwa jeder fünften Urlaubsreise nach Griechenland um eine Last-Minute-Reise.

    Lamnidis forderte eine schnelle Einigung mit den internationalen Geldgebern auf ein neues Hilfspaket.
    Sollte die derzeitige Ungewissheit noch zwei, drei Wochen anhalten, drohten "einige Probleme, vor allem bei der Versorgung", warnte der Chef des Tourismusverbands. Auf den Insel gebe es bereits "ab und zu" Probleme mit Bargeld. Die Kapitalkontrollen hinderten griechische Unternehmen zudem daran, Waren wie beispielsweise Fleisch aus dem Ausland zu bezahlen.
    Es wäre sehr schön und gut, wenn sich die griechische Regierung endlich mal "greifbar", verständlich äußern würde.Ottokar 72um 14:53

    Lieber Ottokar 72,
    darauf hoffen wir hier auch - zumindest morgen früh soll es ja soweit sein.
    Tsipras will Geld für drei Jahre

    Ein erstes Detail aus dem Antrag der griechischen Regierung an den Euro-Rettungsschirm ESM ist bekannt: Der griechische Premierminister Alexis Tsipras strebt ein Drei-Jahres-Hilfsprogramm der Geldgeber für sein Land an.
    Das verlautete in Brüssel.

    Um welchen Betrag es in dem Antrag geht, ist bislang nicht bekannt. 
    Der Internationale Währungsfonds IWF hatte in der vergangenen Woche geschätzt, dass Athen bis 2018 zusätzlich über 50 Milliarden Euro benötige.

    Tsipras hatte vor dem Referendum bereits ein Gesuch für ein Zwei-Jahres-Programm von rund 29 Milliarden Euro gestellt. Dieser Antrag gilt inzwischen als überholt, da sich die wirtschaftliche Lage Griechenlands wegen der Bankenschließungen und der Kapitalverkehrskontrollen dramatisch verschlechtert hat. 

    Alexis Tsipras vor seiner Rede im EU-Parlament in Straßburg. (Quelle: dpa) 


    von Daniel Reviol bearbeitet von Volker Dohr 7/8/2015 12:59:10 PM
    Wie geht es in den kommenden Tagen weiter?

    Damit Sie mal sehen, wie lange uns das Thema voraussichtlich noch beschäftigen wird - und das auch nur, wenn alles glatt läuft - hier ein Abriss über die kommenden Tage:

    Donnerstag, 9. JuliAthen will detaillierte Vorschläge für Reformen einreichen, mit denen ein drittes Hilfsprogramm verknüpft wäre. Die Gläubiger-Institutionen aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) sollen die Vorschläge darauf prüfen.

    Freitag, 10. JuliKurzfristige Staatsanleihen im Wert von zwei Milliarden Euro werden fällig. Werden sie nicht gezahlt, könnten Ratingagenturen das Land weiter abwerten.

    Samstag, 11. JuliDie Euro-Finanzminister kommen zusammen, um die Lage und Griechenlands Vorschläge zu bewerten. 

    Sonntag, 12. JuliDer Sondergipfel tagt, an dem nicht nur die 19 Euro-Länder, sondern alle 28 EU-Staaten teilnehmen. Gibt es einen Durchbruch, können die Verhandlungen über das neue Hilfsprogramm aus europäischer Sicht offiziell beginnen. Allerdings muss in den darauf folgenden Tagen auch noch der Bundestag zustimmen. Scheitert der Gipfel, läuft alles auf einen Grexit hinaus.

    Montag, 13. JuliDie Finanzminister der Eurozone kommen zu ihrem nächsten regulären Treffen in Brüssel zusammen. Am selben Tag muss Athen weitere 455 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen.

    Dienstag, 14. JuliNun tagen die Finanzminister der gesamten EU aus 28 Staaten.

    Montag, 20. JuliDie Rückzahlungsrate im Juli wird fällig: Athen muss 3,5 Milliarden Euro an die EZB überweisen.

    Dax im Aufwind

    Die Börse reagiert positiv auf die neuen Entwicklungen aus Brüssel: Die Hoffnung auf den Verbleib 
    Griechenlands in der Eurozone hat den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch gestütztDer deutsche Leitindex Dax kletterte bis zum Nachmittag mit 0,78 Prozent ins Plus auf 10 760,37 Punkte.

    Der Eurorettungsschirm ESM habe den neuen Hilfsantrag des pleitebedrohten Landes für frische Hilfen erhalten und das werde von den Börsen dankbar aufgenommen, sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel.


    Vieleicht haben die Griechen mit einem Austritt ja Recht,dass Europa in der existierender Form habe ich mir nicht gewünscht. Zunehmende Armut,Millionen von Arbeitslosen, überall unzufriedenheit mit Brüssel,dass kann es nicht sein.Wilfriedum 15:18

    Lieber Wilfried,
    ich glaube kaum, dass sich jemand ein Europa in dieser Form wünscht. Schon gar nicht dessen Väter. Um wieder zueinander zu finden, müssen nun beide Seiten die entsprechenden Schritte tun - zunächst liegt es an Griechenland, zu liefern.
    Welcher Staat war eigentlich noch nie pleite?

    Wir reden derzeit ja ausschließlich über die griechischen Schulden und den Umstand, dass das Land in Zahlungsschwierigkeiten steckt. Doch: wer war das eigentlich noch nie? Die Kollegen von "Spiegel Online" haben (schon 2012!) eine sehr schöne, interaktive Weltkarte erstellt, aus der hervorgeht, dass bis auf eine Handvoll Ausnahmen jeder Staat der Welt schon einmal vor dem Bankrott stand - und das teils sogar mehrfach. Hier können Sie sich durchklicken.
    Medikamente noch nicht knapp

    Für die Schuldenkrise ist zwar noch kein Heilmittel gefunden, dafür gehen in Griechenland immerhin die echten Medikamente nicht aus: 
    Nach Angaben des Verbandes der Pharmagroßhändler des Landes gibt es bisher keine nennenswerten Engpässe in der Versorgung. Dies sagte auch der Präsident des Apothekerverbandes, Kostas Lourantos.

    Noch sei die Lage normal, erklärte einer der größten griechischen Pharmagroßhändler. Dies könne sich aber "schnell ändern", hieß es. Zu Engpässen könnte es demnach kommen, wenn der zuständige Kontrollausschuss des Finanzministeriums kein grünes Licht für Medikamentenimporte gebe.
    Knappe Mehrheit der Ökonomen rechnet mit Grexit

    In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters erklären rund 55 Prozent von 57 befragten Ökonomen, sie erwarten, dass 
    Griechenland die Euro-Zone verlässt. Es ist das erste Mal, dass eine Mehrheit in diesen Reuters-Umfragen von einem Grexit ausgeht.
    Das Lied von Reinhard Mey "Das Narrenschiff" beschreibt bis auf wenige Liedzeilen exakt die Situation in Griechenland.friedrich1215um 16:09

    Werden wir jetzt schon wieder musikalisch! Gestern hatten wir an dieser Stelle noch die Empfehlung von "Money for nothing" der Dire Straits. Wenn das so weitergeht, fragen wir noch nach Ihren liebsten Pleite-Songs, liebe Leserinnen und Leser!
    Wie ist das eigentlich mit dieser Solidarität?

    Der Journalist Tilo Jung hat auf der Bundespressekonferenz eine simple Frage gestellt und eine ungewöhnlich lustige, aber vor allem verständliche Antwort darauf erhalten. Schauen Sie sich das mal an:

    Bester BPK-Clip ever: Bundesregierung erklärt Solidarität am Beispiel von Jung & Naiv
    von Nfes2005 via YouTube

    Wir stehen bereit, die Griechen im Euro zu halten, aber die Bedingungen dafür haben sich deutlich verschlechtert, und zwar zulasten Griechenlands

    Der SPD-Fraktionsvize Carsten Schneide hat sich ausführlich zur Debatte um das dritte Hilfspaket zu Wort gemeldet. Hier lesen Sie den kompletten Beitrag.
    Bundesregierung erklärt sich zu humanitärer Hilfe bereit

    In akuter Gefahr sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl derzeit insbesondere Syrien-Flüchtlinge auf griechischen Inseln. 
    "Wir werden sehen, an welchen Stellen Hilfe gebraucht wird", sagte Vizeregierungssprecherin Christiane Wirtz in Berlin. Konkrete Hilfsprogramme, etwa zur Versorgung von Griechen mit Medikamenten, seien aber bislang nicht bekannt.

    Das Auswärtige Amt wies darauf hin, dass bei humanitären Hilfen für 
    Griechenland "Europa als Ganzes" gefordert wäre. Deutschland würde dann seinen Anteil leisten.

    Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht warf Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) vor, 
    Griechenland aus der Eurozone drängen zu wollen.
    Valls warnt vor Grexit-Folgen

    Der französische Ministerpräsident Manuel Valls warnt vor den geopolitischen Folgen eines Grexits.
    Er würde Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben.

    Auch der US-Finanzminister Jack Lew fordert Griechenland und Europa zu einer Lösung im Schuldenstreit auf. Eine Einigung wäre wichtig für die wirtschaftliche und politische Stabilität in Europa, sagte Lew. Die griechische Schuldenlast sei nicht tragbar.
    Was ist eigentlich was?

    In der Causa Griechenland gibt es derzeit ja verschiedene Optionen. Wir erklären einmal, was die im einzelnen bedeuten:

    Schuldenschnitt: Wenn ein Staat so viel Schulden aufgehäuft hat, dass er sie nicht mehr zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt, dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten.
    Das nennt man Schuldenschnitt. Für das Schuldnerland schafft es dagegen finanzielle Spielräume.

    Schuldenerlass: Anderer Begriff für Schuldenschnitt.
    Gläubiger und Schuldner treffen eine Vereinbarung über eine teilweise oder gänzliche Löschung der Schulden.

    Umschuldung: Auch bei einer Umschuldung verlieren Gläubiger Geld - allerdings nicht auf einen Schlag.
    So kann die Rückzahlung des geliehenen Geldes über einen längeren Zeitraum gestreckt werden, oftmals werden auch niedrigere Zinsen vereinbart. Dafür verspricht der Staat aber, das Geld zu 100 Prozent zurückzuzahlen.

    Schuldenerleichterung
    : Wird oft als Oberbegriff für eine tragbarere Gestaltung der Schuldenlast verwendet, beispielsweise durch Zinsreduzierung.

    Freiwilliger Forderungsverzicht
    : Gläubiger treffen eine Vereinbarung mit dem Schuldnerland, dass sie teilweise oder vollständig auf die Rückzahlung ihrer Forderungen verzichten.
    von Volker Dohr bearbeitet von Daniel Reviol 7/8/2015 2:54:33 PM
    Die "Stuttgarter Zeitung" zu den Verhandlungen mit Griechenland


    Die Reform-Ankündigung der Griechen ist kein Bluff. Trotzdem werden die Reformen nicht funktionieren - nicht etwa weil Griechenland auf Zeit spielt, sondern, weil Griechenland ohne Geld überhaupt keinen Handlungsspielraum hat und deshalb auch keine Reformen durchführen kann.marum 16:59

    Leser mar zu den Anstehenden Reformen.
    Euro bleibt stabil

    Der Eurokurs ist trotz der Unsicherheit um Griechenland gestiegen. Am Nachmittag lag die Gemeinschaftswährung bei 1,1046 US-Dollar, nachdem sie im frühen Handel 1,1010 Dollar gekostet hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1024 Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,9071 Euro.

    Griechenland bietet Steueramnestie an

    Griechenland hofft auf Steuernachzahlungen für Schwarzgeld-Milliarden, die in der Schweiz lagern. Um Abgaben kassieren zu können, habe Athen eine Steueramnestie angeboten, sagte Griechenlands Minister für Korruptionsbekämpfung, Panagiotis Nikoloudis.

    Die Schweiz hatte sich zuvor mehrfach bereiterklärt, im Falle einer Einigung auf solche Vermögen bei Schweizer Banken entfallende Steuereinnahmen nach Athen zu überweisen. Schätzungen gehen von griechischen Vermögenswerten in der Schweiz zwischen zwei Milliarden und 200 Milliarden Euro aus.

    Athen bietet laut Zürcher Finanzkreisen Straffreiheit an, wenn Griechen ihre Banken in der Schweiz ermächtigen, darauf 21 Prozent an Steuern abzuführen - ansonsten würden später 40 Prozent verlangt.

    EU-Institutionen prüfen Hilfsantrag aus Griechenland 

    Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) damit beauftragt, den griechischen Antrag auf neue Rettungsgelder zu überprüfen. Die Institutionen werden nun die finanzielle Lage des akut pleitebedrohten Landes untersuchen. 

    Dijsselbloem habe den Auftrag als Vorsitzender des Gouverneursrats des Eurorettungsschirms ESM gegeben, hieß es.
    "Antrag ist vage"

    Der griechische Hilfsantrag ist nach Angaben von Luxemburgs Finanzminister Gramegna bei den Schlüsselfragen Steuer- und Rentenreform "vage".
    ESM bittet IWF um Hilfe

    Der Rettungsschirm ESM bittet den Internationalen Währungsfonds um Hilfe bei der Frage, ob die griechischen Schulden tragfähig sind. Diese Bewertung fließt in die Entscheidung ein, ob der ESM 
    Griechenland Kredite gewähren kann.

    Der ESM fragt zudem bei der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) an, ob 
    Griechenland ein Risiko für die Finanzstabilität der Euro-Zone insgesamt darstellt.
    Ich sehe es nicht mehr ein das unsere Regierung über unsere Köpfe hinaus Geld zum Fenster hinaus wirft.Deshalb fordere ich einen Volksentscheid und der sollte so schnell wie Möglich stattfinden was Grieschenland kann das können wir schon lange. Die Rechnung zahlt zum Schluß der kleine Mann,du und ich .Heinzum 18:48

    Lieber Heinz,
    ich schreibe es zwar mittlerweile täglich, aber: Wenn Sie einen Volksentscheid auf Bundesebene anstreben, müssen Sie diesen zunächst einmal möglich machen. Bislang ist er das nämlich nicht und jeder Versuch, die Verfassung entsprechend zu ändern, erhielt nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Zuletzt waren übrigens SPD und CSU dafür - das war 2013. Die CDU stemmte sich jedoch derart dagegen, dass der Punkt nicht in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde. Ihnen bleibt also nur der Gang nach Karlsruhe.
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