Keine Briefe, keine Pakete - der Frust mit dem Poststreik
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Keine Briefe, keine Pakete - der Frust mit dem Poststreik

Die Postmitarbeiter streiken nun schon in der dritten Woche - die Folge: In den Verteilerzentren stapeln sich Millionen von Briefen und Paketen. Kunden berichten, dass ihr Briefkasten seit mehr als zwei Wochen leer ist. Was ist Ihre Meinung zum Streik, wie sind Sie betroffen? Diskutieren Sie mit uns und dem Post-Experten Elmar Müller.

    • Das sagt der Experte
    Lieber Teddy,

    bei Mahnungen gilt das Streikrecht als höheres Recht
    , d.
    h. eine Mahnung während eines Streiks, die nicht fristgerecht eingeht, kann man ignorieren - Sie müssen natürlich trotzdem noch zahlen.

    Ich empfehle aber dringend, sich den Eingang bestätigen zu lassen - entweder durch den Zusteller oder aber durch z.
    B. einen Mitbewohner.

    Im Übrigen liegt auch hier ein fristgerechter Eingang nicht beim Empfänger, sondern beim Absender.
    Erst wenn die Mahnung angekommen ist, beginnt die Laufzeit der Frist.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Lukas Martin, t-online.de 6/25/2015 9:12:37 AM
    • Frage
    Was ist mit Rechnungen und Mahnungen? Bleibe ich auf den Kosten sitzen und muss ich mit einer Klage rechnen?Teddyum 11:07

  • Der Streik bei der Post betrifft Millionen Deutsche - und die haben viele Fragen: Was ist mit Post vom Gericht, Zahlungsmahnungen oder Kündigungen, die jetzt nicht rechtzeitig ankommen? Muss ich dafür gerade stehen? 
    Wie kann ich trotz allem sicherstellen, dass meine Post doch pünktlich ankommt? Wie lange soll das noch so weiter gehen? Warum streiken die überhaupt?

    Unser Experte Elmar Müller saß 12 Jahre lang im Bundestag und war dort als Experte für Post und Telekommunikation zuständig. 2001 gründete er das PostKundenForum e.V. mit Sitz in Berlin, das sich um die Probleme der Verbraucher kümmert - eine Lobby für Postkunden. Außerdem ist er der politische Sprecher des Deutschen Verbands für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (www.dvpt.de).

    Elmar Müller hat eine Auswahl der Fragen beantwortet, die Sie gestellt haben - und Sie haben über den Poststreik diskutiert. Leider konnten wir bei weit über 500 Leserbeiträgen nicht alle berücksichtigen.
  • Guten Morgen, liebe t-online.de-Leser!
    Wir starten nun unseren Live-Blog zum Thema Poststreik. Wir haben schon viele interessante Fragen und Beiträge von Ihnen bekommen, natürlich können Sie sich aber auch weiterhin an unserer Experten-Fragerunde und/oder der Debatte beteiligen. Elmar Müller steht gleich für den Chat zur Verfügung.
    • Frage
    Was passiert mit termingebundenen Behördenschreiben, z. B. gerichtlichen Ladungen, die liegen bleiben und nicht zugestellt werden?Weintrittum 9:58

    • Das sagt der Experte
    Lieber Weintritt, für Standardbriefe nimmt
    auch bei Behörden das Verspätungsrisiko ausschließlicher der Versender auf
    sich.
    Meist aber versenden Behörden, Gerichte etc. ihre Briefe per Einschreiben
    mit Rückschein.
    Hier wäre bestätigt, wann dieser Brief, möglicherweise mit Verspätung, erst beim Empfänger eingetroffen ist.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 8:03:49 AM
    • Frage
    Die EC-Karte meiner Tochter ist seit 2 Wochen unterwegs und liegt wahrscheinlich mit dem PIN zusammen irgendwo. Wer haftet für die eventuellen Schäden?Michael16um 10:05

    • Das sagt der Experte
    Bei verlorenen Wertgegenständen in einem Brief ist die Frage der Versandart zu stellen. Es besteht die Möglichkeit solche Wertgegenstände zu versichern – im Einzelfall bis zu mehren 1000,- € Dies müsste jedoch vom Absender ausgehen. Die zweite Frage ist: Gab es eine Terminvorgabe, die der Absender einzuhalten hat – dann liegt der Fall eindeutig beim Absender und ich könnte den Absender für Schäden belangen, denn der Absender muss auch in einem Streikfall bei Zusage eines Empfängertermins die Möglichkeit finden, die diesen Termin einhält. Notfalls durch eine alternative Versandart eines anderen Dienstleisters oder aber z. B. per Express. Diese Versandart (Express) wird bei der Post – sprich DHL – derzeit nicht bestreikt.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Lukas Martin, t-online.de 6/25/2015 8:08:50 AM
  • Wir haben Sie um Ihre Erfahrungsberichte gebeten. Einen besonders tragischen Fall hat uns "Liane" geschildert, die durch den Poststreik die Geburt ihres Enkelkindes verpasst hat:

    Ich flog am 15. Mai für 4 Wochen nach Deutschland zu Besuch bei Freunden und Familie und um einen zweiwöchigen Urlaub in Italien zu machen. Auf meiner Heimreise von Italien am 6. Juni vergaß die Rezeption in einem Hotel, uns die Pässe zurückzugeben, schickten sie aber am 10. Juni mit Express und Einschreiben an unsere Adresse in Bayern. Am 15. Juni musste ich meinen Flug zurück in die US umbuchen, weil mein Pass nicht da war. Inzwischen sitzt mein Pass immer noch im Postsstreik und ich in Deutschland fest. Ich habe einen weiteren Flug am 22. Juni (Kosten $873) und die GEBURT MEINES ENKELKINDES versäumt. Ich bin verzweifelt, weil ich nicht weiß, wann ich je wieder nach Hause komme und wie ich einen weiteren Flug finanzieren soll. Ich danke Ihnen sehr, mir hier Gelegenheit zu geben, meine Frustration auszudrücken.Lianeum 24. Juni 22:20
    • Frage
    Gibt es Versandarten, die ich nutzen kann, bei denen die Post eine Lieferung zu einem bestimmten Termin immer noch garantiert und welche sind es?Hildeum 10:10

    • Das sagt der Experte
    Bei schriftlichen Mitteilungen etwa Kündigungen, Terminfragen etc. gibt es tatsächlich Alternativen die auch Gerichtsfest sind.
    Zunächst der meistgenannte Versand wäre die Expresszustellung, in denen ich sogar Terminvorgaben als Absender, z.
    B. auch in einem Stundenkorridor vorgeben kann.
    Weitere Möglichkeiten sind das althergebrachte Fax.
    Im Gegensatz zur E-Mail wird das Fax von Gerichten, einschließlich des Protokolls dazu, anerkannt. 

    Die weitere Möglichkeit ist die De-Mail, ein elektronischer Brief der verschlüsselt vom Absender bis zum Empfänger eintrifft.
    Es gibt sogar ein De-Mail-Gesetzt, welches zu den Behörden und innerhalb der Behörden als rechtssicher anerkannt ist. Bedingung: Man muss dazu registriert sein. Diese Registrierung betrifft allerdings derzeit nur ca. 2 Mio. Bundesbürger, gilt aber als Schriftverkehr der Zukunft. Die Post bietet ein paralleles Medium, den e-Postbrief. 

    Eine weitere Möglichkeit bieten etwa 600 alternative Briefzusteller.

    Aber Vorsicht: Etwa die Hälfte dieser alternativen Briefzusteller sammeln die Post lediglich ein, sortieren und frankieren sie und liefern sie „konsolidiert“ bei der Post zur Auslieferung ein.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 8:17:46 AM
  • Ist der Streik berechtigt? Dazu gehen die Meinungen unserer Leser auseinander.

    Ich hoffe das die Postler Erfolg haben und die Lohndumping GmbHs wieder verschwinden. Alles wird nur noch dem Profit und der Gier untergeordnet und die Arbeitnehmer sinken langsam aber stetig Richtung Mindestlohn und Armutsrente.angelikaum 10:14

    Es ist schlimm, was hier die Gewerkschaft treibt. Herabsetzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich ist übertrieben. Auch die Auslagerung ist gerecht. Hier ist der Stundenlohn gegenüber der Mitbewerber immer noch wesentlich höher. So treibt die Gewerkschaft die Postkunden zu den Billiganbietern. Die Postbediensteten die jetzt streiken werden sich wundern, wenn nachher bei weniger Verkehrsaufkommen ihre Arbeitsplätze wegfallen.Heike S.um 10:16

    • Frage
    Ich hatte Theaterkarten bestellt – inzwischen sind die Vorstellungen bereits gelaufen. Muss ich trotzdem die Karten zahlen?Harry12um 10:19

    • Das sagt der Experte
    Lieber Harry12, bei Theaterkarten ist es sehr wichtig, dass sie auf keinen Fall mit der sogenannten „Standardpost“ verschickt werden dürfen. Es gibt von der Post keinerlei Gewährleistung für das zeitliche Eintreffen.

    Ein weiteres Problem taucht immer wieder auf, das ist das Problem, dass der Brief zwar ankommt - aber ohne Theaterkarten.
    Wir hatten das vor einigen Jahren schon mit den Telefonkarten. Dafür gibt es inzwischen schon eine eigene Versandart.

    Also soweit der Absender keinen Zustelltermin garantiert hat, besteht kein Anspruch auf Bezahlung der Karten. Aber auch kein Anspruch auf das entgangene Vergnügen.

    Merke: Bei einem Standardbrief kann der Absender nicht einmal nachweisen, dass er diese Karten verschickt hat.
    Im Gegensatz zu etwa Einschreiben oder einem versicherten Brief, hier ist der Absender Ersatzpflichtig, mindestens aber ist er auf dem Kulanzwege zu Ersatz angehalten.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 8:26:00 AM
  • Viele macht der Poststreik aber auch erfinderisch - wie die Firma, in der unsere Leserin Anna arbeitet:

    Unsere Firma stellt gerade 90% des Postverkehrs auf E-Mail um, denn was da in den letzten Wochen bei der Post passiert, kann kleine Unternehmen in den Ruin treiben!Annaum 10:12

  • Michaela K. berichtet aus dem Alltag der Postmitarbeiter. Da kann man den Streik gut verstehen, oder?

    Es ist absolut richtig, dass wir streiken. Was unser Arbeitgeber seit Jahren von uns verlangt, ist eine Frechheit. Von wegen 38,5 Stunden die Woche. Wir kommen teilweise auf 49 oder mehr und müssen auf unsere freien Tage verzichten. Überstunden bekommen nicht alle (da gibt es in den verschiedenen Niederlassungen andere Betriebsvereinbarungen) bezahlt, auch nicht gutgeschrieben. Wir werden gezwungen, 10:45 Stunden zu arbeiten und wenn es die Verkehrsmenge erfordert, das mal 5.Michaela K.um 10:24

  • Und noch eine "Innenansicht" zum Streik: In Partnerfilialen der Post bricht der Umsatz ein.

    Als Betreiber einer Post-Partnerfiliale muss ich feststellen, dass unser Umsatz derzeit deutlich zurück geht.Severmouthum 10:21

    • Frage
    Seit 2 Wochen liegt ein Paket bezahlt per Vorkasse beim DHL. Ich habe inzwischen die Bestellung widerrufen und die Lastschrift zurückgegeben. Ich kann nicht verstehen, dass die Versender so unflexibel sind und trotz des Streiks beim DHL darüber versenden und sich die Waren per Vorkasse bezahlen lassen?Berndum 10:21

    • Das sagt der Experte
    Lieber Bernd, gerade im Streikfall ist es wichtig, Wege zu wählen, die vom Streik nicht betroffen sind.
    Das ist speziell bei wertvollen Dokumenten oder Inhalten (z.
    B. Theaterkarten) möglich, wenn ich einen alternativen Nicht-Briefdienstleister wie zum Beispiel einen Paketdienstleister wähle, z. B. UPS, FedEx, DPG usw.

    Diese versenden nur Pakete und Dokumente, dafür benötigen Sie also eine Verpackungsart in der Größe eines mind.
    A4 (Großbriefformates), denn es wird als Paket an den Empfänger gebracht. Die Kosten sind übersichtlich und liegen im Bereich von etwa 4 – 12 €, je nach Dienstleister.

    Laufzeit: 24 Stunden, höchstens 2 Tage oder Abhol-Service beim Absender (gegen einen übersichtlichen Aufpreis)

    Automatisch Versichert: mit +/- 500,- €
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 8:34:20 AM
  • Natürlich ist es ärgerlich, wenn zum Beispiel im Internet bestellte Ware nicht ankommt. Allerdings geht es manchmal um richtig wichtige Dinge, wie dieser Arzt aus seiner Praxis berichtet:

    Seit über 10 Tagen hat meine Praxis keinen Brief mehr bekommen, wo wir doch täglich mehr als 2 kg Post erhalten. Wichtige Befunde und Untersuchungsergebnisse bleiben aus. Davon kann die Gesundheit, in Einzelfällen das Leben des Patienten abhängen. Abgesehen davon wird mich das "Abarbeiten" der angehäuften Post Wochen kosten, ich werde zusätzlich Arbeitskräfte zum Einscannen einstellen müssen, das kostet viel Geld.Dr.Neppelum 10:33

    • Frage
    Wie kommt es, dass an manche Orten Post zugestellt wird? Wer entscheidet wo?wermatum 10:30

    • Das sagt der Experte
    Die Mitarbeiter der Post streiken derzeit nicht flächendeckend, sondern täglich wechselnd regional.

    Es gibt auch keine Vorabinformation, wie etwa beim vorangegangenen Bahn-Streik, aber die DP AG hat sinnvollerweise eine Informationsmöglichkeit eingerichtet, die nach PLZ getrennt den tagesaktuellen Streikort mitteilt.

    Dieses können Sie erreichen unter:
    www.
    deutschepost.de/streikinfos.html
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 8:40:13 AM
  • Susanne schildert uns ihre Sicht der Dinge als Post-Mitarbeiterin:

    Ich als Streikende kann nur sagen, dass es höchste Zeit wurde, dass etwas geschieht. Die Post hat schon lange ein eigenes Rentensparmodell, das da lautet: "Mach die Leute vorher tot, dann sparen wir Millionen." Immer größere Bezirke in immer engeren Bemessungsrahmen, egal ob 20 oder 55, du musst da durch, und es hilft dir niemand... das ist Kapitalismus in seiner reinsten Form. Der Produktionsfaktor Arbeit wird ausgepresst, bis er nicht mehr kann, und wenn man dann bis zu 500 Euro durch die Bildung von Unternehmenstöchtern verlieren soll (durch den Wegfall des Besitzstandes z.B.), hört der Spaß einfach auf... Es geht überhaupt nicht um die 36-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, es geht um faire Bezahlung und um anständige Arbeitsbedingungen..susanneum 10:33

  • Viele sind sauer, dass ihre Post nicht ankommt. Allerdings bekommen wir auch immer wieder Zuschriften von Lesern, die den Streik grundsätzlich verstehen können.

    Habe seit Wochen keine Post bekommen. Der Streik ist allerdings grundsätzlich richtig. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Wenn unsere lieben Politiker nicht scheinprivatisiert hätten, gäbe es kein Problem. Die Geschäftsleitung will nur die Gewinne noch mehr maximieren. Weiter streiken und das noch massiver.Xanthippeum 10:42

    Ich habe vollstes Verständnis für die Arbeitnehmer der Post, wenn unter den Bedingungen der Vorredner gearbeitet werden muss. Das gehört sich nicht und muss geändert werden. Daher ist der Streik i.O.Pieroum 10:33

    • Frage
    Die Postangestellten verdienen doch ganz gut - warum streiken die denn so lange? Wie lange wird das noch dauern?Zweiflerum 10:38

    • Das sagt der Experte
    Die Länge des Post-Streiks kann natürlich nicht vorhergesagt werden, aber schon heute ist klar: Es wird ein längerer Streik werden, da es über die tarifliche Entlohnung hinaus um Fragen der Zukunft, vor allem des Paketdienstes, geht.

    Aktuelle Situation: Der Briefverkehr (Standardbrief) nimmt seit Jahren kontinuierlich um durchschnittlich 2 % ab.
    Im Gegensatz zum Paket, dessen Verkehr in den vergangenen Jahren zum Teil mit zweistelligen Prozentzahlen zugenommen hat.
    Wir haben schon heute mehr Paketzusteller, etwa 110.
    000, gegenüber Briefzustellern, ca. 90.000.
    Also macht es durchaus Sinn, dass die Post-DHL sich für die Zukunft mit diesen 49 regionalen Gesellschaften darauf einrichtet, dass schätzungsweise schon in 5 Jahren die Hausfrau etwa 1/3 ihres täglichen Bedarfs per Zustellung ins Haus liefern lässt.
    Tendenz steigend.

    Deshalb ist es nicht vorhersehbar, wann diese grundsätzliche Auseinandersetzung um die Paketzustellung im laufenden Tarifstreit beendet ist.

    Meine Prognose: Ohne Schlichtung wird es kaum möglich sein.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 8:48:33 AM
  • Natürlich sind nicht alle einverstanden mit dem Streik. Hier ein paar Gegenstimmen, die uns erreicht haben:

    Das Ganze geht zu weit. Postmitarbeiter verdienen wirklich nicht schlecht. Geld rechtfertigt nicht, ganz Deutschland zu lähmen. Schon mal was von Verantwortung gehört? Das trifft nicht nur auf die Post zu, auch auf die anderen streikfreudigen Gewerkschaften wie die GDL.perolaum 10:49

    Ich halte den streik der Postmitarbeiter für nicht angemessen. Unabhängig davon, ob die Arbeitsbedingungen ideal sind, hat kein Mensch in Deutschland das Recht seine Forderungen durchzusetzen und dadurch anderen Menschen Schaden zuzufügen oder sogar das Leben zu gefährden. Wenn ich in der Zeitung Bilder von Streikenden sehe, die in die Kamera lachen, ist das vollkommen daneben. Wir sollten ehrenamtlich und freiwillige Arbeitsgruppen bilden und jeden tag ein paar Stunden bei der Zustellung der Post helfen, damit noch größere Schäden vermieden werden können.contra poststreikum 10:45

  • Ein Kollege aus Frankfurt am Main hat mir gerade berichtet, dass er neulich ein Paket per Taxi zugestellt bekommen hat. Wem ist ähnliches passiert?
    • Frage
    Ich habe gehört, dass die Post von Großkunden - vor allem amazon - bevorzugt befördert wird. Stimmt das? Das wäre eine Schweinerei!Ulrich W.um 10:54

    • Das sagt der Experte
    Lieber Ulrich W., das Thema Amazon ist derzeit „ein Aufreger“ in zweierlei Hinsicht:

    Erstens ist Amazon mit europaweit täglich bis zu einer halben Million Sendungen ein wichtiger Kunde, nicht nur der DP AG – DHL, sondern auch anderer Paketdienstleister.
    Deshalb sind die Gerüchte um eine bevorzugte Zustellung ihrer Sendungen nicht abwägig, zumal Amazon seinen Kunden eine Lieferfrist garantiert.

    Zweitens gibt es das gefestigte Gerücht, dass Amazon einen eigenen Zustelldienst aufbauen möchte, was den Paketmarkt erheblich in Aufregung versetzt.
    Die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 9:06:11 AM
  • Teilweise gibt es die Möglichkeit für Privatpersonen, aktuell als Paketboten einzuspringen. Unser Leser Rainer hat damit schon Erfahrungen gemacht: 

    Wir haben uns hier in Hamburg mit 6 Bekannten bei der Post zur Verteilung angeboten. Nach einer Einweisung haben wir am letzten Samstag Post ausgetragen und werden auch Übermorgen wieder verteilen. Der Job ist doch gar nicht so schlecht! Wir helfen, da hier viele kleine Unternehmer und alte Leute verzweifelt sind!Rainerum 11:05

  • Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Inzwischen haben uns gut 600 Kommentare und Fragen erreicht. Natürlich können wir nicht alle davon veröffentlichen. Wir hoffen, dass wir mit unserer Auswahl einen guten Querschnitt der vielen Beiträge abbilden können.
    • Frage
    Hallo. Ich bin sogar bereit meine Post vom Zustelllager in Prenzlau abzuholen. Warum geht das nicht? Wurde abgewiesen. Dort lagert meine bezahlte Ware.Holgerum 11:11

    • Das sagt der Experte
    Lieber Holger, vielfach bieten verzweifelte Empfänger einer dringenden Sendung an, ihr Paket oder Dokument im nächstliegenden Verteilzentrum direkt abzuholen.

    Soweit dieses Verteilzentrum bestreikt wird, würden sich die dortigen Mitarbeiter einerseits vor ihren streikenden Kollegen nicht verantworten wollen, zum anderen sind sie auch nicht befugt, Pakete dort direkt an den Empfänger auszugeben.


    Bitte bedenken Sie auch die angespannte Lage, die derzeit sicherlich unter den Mitarbeitern herrscht.

    Also: Es bleibt, falls das Paket schon auf dem Weg ist, lediglich abzuwarten und bei Terminsachen meinerseits nochmals darauf hinzuweisen, dass ein Terminversprechen ausschließlich beim Absender liegt.
    Die Post ihrerseits garantiert Normalsendungen in ihre AGBs keine konkreten Laufzeitversprechen.
    Ausnahme: Express-Sendung
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 9:24:07 AM
  • Für Monika ist die Sache klar: Sie schickt nichts mehr mit DHL. Aber ob dem Beispiel genug Menschen folgen, damit es spürbar wird?

    Mein Vertrauen zu DHL und zu der Post ist bis ins Mark erschüttert. Ich habe meinen gesamten Versand umgestellt und versende nichts mehr mit DHL. Der Umsatz wird bei DHL und Post einbrechen und die Auswirkungen sind ganz klar: Arbeitsplätze werden schwinden. DHL hat sich mit einem Schlag den guten Ruf zerstört, wo sie doch Jahre brauchten, um ihn aufzubauen. [...] Niemand kann es sich leisten, die Abläufe derartig zu blockieren, wie es zur Zeit DHL produziert. [...]Monikaum 11:18

    • Frage
    Faktenfreund spielt auf die grundsätzliche Frage an: Schadet der Poststreik nicht dem ganzen Land auf unerträgliche Weise und müsste die Regierung nicht sicherstellen, dass die Post ordentlich befördert wird?

    Die Post kassiert jetzt die Quittung für die Abschaffung der beamteten Mitarbeiter ohne Streikrecht und dafür die Einstellung von Angestellten. Selbst schuld.Faktenfreundum 11:16

    • Das sagt der Experte
    Es kommt immer wieder die grundsätzliche Frage: "Warum wurde die Post überhaupt privatisiert?"

    Ich erinnere daran, das wir bis 1990  eine einzige Postbehörde hatten(Post, Fernmeldedienst, Postbank). Diese Behörde war steuerbefreit und wurde im 19. Jahrhundert aus militärischen Gründen in dieser Form gegründet. 1989 gab es eine EWG-Initiative, die die Privatisierung dieses Bereichs vorsah. Inzwischen sind europaweit alle ehemalig staatlichen Postunternehmen in private Gesellschaften umgewandelt worden, in Deutschland geschah dies Ende 1997.

    Das hatte zur Folge, dass wir vor allem im Telekommunikationsbereich als Kunden erhebliche Einsparungen haben und über moderne Hardware frei käuflich verfügen können.

    Bei der
    Post hat die Konkurrenz immerhin dazu geführt, dass wir einen insgesamt besseren Service haben und die Post seit dieser Zeit auch die Möglichkeit hatte, im Ausland zu investieren, was dazu geführt hat, dass sie inzwischen das weltweit führende Logistikunternehmen ist.


    Der Wettbewerb insgesamt hat nicht geschadet, sondern der Kunde hat heute umfangreiche Alternativen, die er möglicherweise noch zu wenig nutzt.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 9:34:44 AM
  • Leserin Margit ist finanziell vom Poststreik betroffen, denkt aber auch an die, bei denen es um die Gesundheit geht. Tatsächlich haben uns einige solcher Berichte erreicht, bei denen Menschen auf wichtige Unterlagen oder Medikamente warten.

    Ich wünsche mir sehr, dass der Poststreik endlich aufhört (seit 19 Tagen keine Post mehr). Bei mir trifft es die finanzielle Seite, aber es gibt viele Menschen, bei denen betrifft es die Gesundheit und das ist wirklich übel. Das Wohlergehen seiner Mitmenschen in Mitleidenschaft ziehen, das geht einfach nicht (eine Dame in meinem Heimatort wartet auf eine dringende OP und die CT-Unterlagen hängen bei der Post). Und es gibt noch viele andere zu Herzen gehende Geschichten.Margitum 11:29

    • Frage
    Herr Müller, zum Schluss: Wie beurteilen Sie persönlich den Streik?
    • Das sagt der Experte
    Liebe Margit, insgesamt dürfen wir feststellen: Das Verständnis für die derzeitige Streiksituation überwiegt unter den Bürgern zumindest derzeit noch.

    Interessant für uns ist, dass selbst in einer Umfrage unter DVPT-Mitgliedern (darunter viele Großversender wie z.
    B. Versicherungen), die wir in der vergangenen Woche angestellt haben, mehr als 50 % der Beteiligten Verständnis für diesen Streik aufgebracht haben.

    Ich selbst und meine Kollegen im DVPT teilen diese Gelassenheit (zumindest bis auf weiteres). Warten wir also einfach einmal die weiteren Entwicklungen ab.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Johann Schicklinski 6/25/2015 9:40:53 AM
  • Noch ein Blick auf unsere Umfragen hier im Blog

    Wir haben gefragt, wer vom Poststreik betroffen ist. Von gut 8000 Usern haben 62 Prozent angegeben, dass sie seit Wochen gar keine Post mehr bekommen. Bei 29 Prozent sind nur vereinzelt Sendungen zu spät, bei den restlichen neun Prozent läuft alles normal.


    Insgesamt haben 36 Prozent Verständnis für den Streik, 64 Prozent halten ihn allerdings für überzogen. An dieser Umfrage haben über 1000 Leser teilgenommen.

    (Bitte beachten: Diese Umfragen sind nicht repräsentativ!)
  • Liebe Nutzer,

    wir sind am Ende des Chats angelangt, vielen Dank an unseren Experten Elmar Müller für seine informativen Beiträge! Wir haben viele Ihrer Fragen beantwortet und hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten.

    Einen schönen Tag - trotz Poststreiks!

    Beste Grüße,

    Sonja Riegel und Lukas Martin
    • Das sagt der Experte
    Die Vorhersage über eine endgültige Einigung zwischen den beiden Tarifparteien nimmt schon derzeit eine politische Dimension an.

    Hintergrund: Der Bund ist immer noch mit 21 % Anteilseigner bei der DP AG – DHL.
    Eine derzeit initiierte Petition von Verdi innerhalb ihrer Mitgliedschaft weist auf diesen Umstand bereits hin und wird vermutlich schon sehr kurzfristig die ersten Reaktionen aus dem politischen Umfeld erwarten lassen.

    Der Druck auf Verdi wird allerdings aus dem Bereich der Verbraucher täglich zunehmen, so dass davon auszugehen ist, dass wir noch weitere 3 Wochen mit dem derzeitigen Streik rechnen müssen.
    Eine zwischenzeitliche Verschärfung könnte in einem flächendeckenden Streik organisiert werden. Dazu bräuchte es z. B. lediglich die Stillegung der 83 Briefzentren.

    Danach wird es, sofern es keine Einigung gibt, mindenstens
     ein Memorandum, d. h. ein vorübergehendes Aussetzen des Streikes, geben müssen.
    Auch deshalb, weil die Bundesregierung nach Artikel 87-F GG (und Postgesetz) garantiert, dass werktäglich die Post zugestellt werden muss.
    von Elmar Müller, Postexperte bearbeitet von Lukas Martin, t-online.de 6/25/2015 9:52:59 AM
    • Frage
    Kann der Streik noch Monate dauern?
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