Experten-Live-Chat zur Griechenland-Krise
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Experten-Live-Chat zur Griechenland-Krise

In unserem Experten-Chat hat Dr. Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel Ihre Fragen zur Schuldenkrise Griechenlands beantwortet. Dabei ging es um das dritte Hilfsprogramm für das Land oder die Fragen, ob man derzeit unbesorgt in Griechenland urlauben kann und was die Rettungspakete den deutschen Steuerzahler kosten. Hier können Sie alle Fragen und Antworten noch einmal nachlesen.

  • Auch ich bedanke mich. Es hat mir trotz der schwierigen Thematik Spaß gemacht, die User-Fragen zu beantworten. 
    von Jens Boysen-Hogrefe bearbeitet von Martin Mrowka 7/16/2015 1:30:20 PM
  • Das war unsere letzte Frage. Wir bedanken uns bei allen Lesern für die rege Beteiligung und bei Dr. Jens Boysen-Hogrefe für die fachkundigen Antworten. Leider konnten wir nicht alle Fragen beantworten, dafür bitten wir um Verständnis.
    von t-online.de-Community bearbeitet von Martin Mrowka 7/16/2015 1:30:01 PM

  • Was kostet es wirklich den deutschen Steuerzahler? Und wie spürt er das?DonaldDum 13:57

    Die Frage der Kosten wird man erst in vielen Jahren beantworten können.
    Geht es mal nur um die Mrd. der europäischen Rettungsschirme (und nicht um das Zentralbanksystem), dann wurden bisher aus deutscher Sicht 50 Mrd. Euro ausgegeben und es kommen in den kommenden drei Jahren etwa 20 Mrd. Euro hinzu. 

    Dieses Geld soll Griechenland planmäßig über viele Jahrzehnte zurückzahlen. Den Zahlungsausfall Griechenlands würden wir "spüren", indem keine der über die Jahrzehnte verteilte Rückzahlung beim Finanzminister anlanden würde – also Mindereinnahmen in den entsprechenden Haushaltsjahren.
    von Jens Boysen-Hogrefe bearbeitet von Daniel Reviol 7/16/2015 12:04:57 PM

  • Angeblich steht Griechenland bei jedem Bürger in Deutschland mit 1185 Euro in der Kreide. Allein das neue Rettungspaket soll nun weitere 210 Euro pro Kopf kosten – insgesamt bereits fast 1400 Euro. Stimmt das? Kann man mit Bundesbürger statt Steuerzahler rechnen?petra01um 13:57

    Bundesbürger = Steuerzahler ist zwar arg verknappt – letztlich werden wegen des progressiven Steuersystems Einkommensstarke mehr schultern als Einkommensschwache, aber das ist nicht der wesentliche Punkt. 

    Man kann nicht sagen, dass es bisher 1185 Euro gekostet hat und jetzt 210 dazukommen, weil ein wesentlicher Teil dieser Risiken erst relevant würden, wenn Griechenland den Euro verlässt (Target2-Forderungen, erhöhter Bargeldumlauf in Griechenland). Durch das neue Rettungspaket ist dies zwar nicht ausgeschlossen, aber ohne wäre ein Austritt Griechenlands wohl wahrscheinlicher.

    von Jens Boysen-Hogrefe bearbeitet von Daniel Reviol 7/16/2015 12:02:55 PM
  • Für Griechenland wird voraussichtlich ein drittes Hilfspaket geschnürt werden. Im Gegenzug für die Milliarden müssen die Griechen weitere einschneidende Sparmaßnahmen umsetzen. Wir wollen mit einem Fachmann den Dschungel von Maßnahmen ein wenig lichten und die eingegangenen Verpflichtungen und Risiken Deutschlands abschätzen. 


    Der Experte:

    Dr. Jens Boysen-Hogrefe 

    Dr. Jens Boysen-Hogrefe, Jahrgang 1979, ist stellvertretender Leiter des Prognosezentrums beim Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. 

    Er hat im Jahr 2008 zu empirischen Methoden der Konjunkturforschung promoviert und ist seither im Prognosezentrum des IfW tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Analyse der öffentlichen Finanzen in Deutschland und dem Euroraum. Seit dem Jahr 2011 ist er Mitglied des Arbeitskreises Steuerschätzungen des Bundesministeriums der Finanzen. 

  • Warum kann man Milliardären, die ihr Griechenland aus Steuergründen verlassen haben in Länder wie England, Frankreich etc. nicht im Nachhinein die nicht bezahlten Steuern abverlangen. Scheinbar gibt es Möglichkeiten dies noch zu tun. Dann hätte Griechenland diese momentanen Probleme nicht,PayerMum 7:01

    Das ist immer noch ein schwieriges Problem. Geltende Gesetze sehen es so vor, dass dort versteuert wird, wo die Milliardäre ihren Wohnsitz haben bzw. ihren wirtschaftlichen Schwerpunkt. Die Beweglichkeit dieser Bürger ist generell höher, für sie ist es ein Leichtes ihren Wohnsitz zu verlagern.

  • Ist Herr Boysen-Hogrefe dafür oder dagegen, dass der Bundestag einem 3. Hilfspaket für GR zustimmt? Aus welchen Gründen ist er dafür bzw. dagegen?ungenaantum 15. Juli 16:33

    Ich bin froh. darüber nicht entscheiden zu müssen. Das dritte Programm bietet durchaus die Chance viele der Forderungen – insbesondere die, die über das Zentralbanksystem bestehen – zu „retten“. Dafür müssen aber zunächst noch mehr Risiken eingegangen werden. 

    Ob die Rechnung aufgeht, hängt letztlich vom politischen Willen und der politischen Stabilität in Griechenland ab. Das ist natürlich gerade jetzt eine kaum ausrechenbare Größe.

  • Was ist, wenn etwa die Finnen das Hilfspaket ablehnen. Ist Einstimmigkeit zwingend notwendig oder könnte dann das Eilverfahren greifen. (Laut „WiWo“ gibt es diese Ausnahme: „Bei besonders dringlichen Entscheidungen ist ein Eilverfahren mit einer qualifizierten Mehrheit von 85 Prozent der Kapitalanteile vorgesehen.“)Stefan-Kaium 14:12

    Der ESM-Vertrag sieht tatsächlich diese Regel zum Eilverfahren vor. Doch wurde hier an plötzliche Marktturbulenzen gedacht und weniger an die aktuelle Situation in Griechenland. Finnland hat übrigens für das zweite Paket ein gesondertes Pfand erhalten. Ähnliches ist auch für das dritte Paket denkbar.

  • Kann ein Volk bzw. eine Volkswirtschaft, das ausgemergelt am Boden liegt, mit frischem Geld unter weiteren Sparzwängen auf absehbare Zeit wieder zu einer „blühenden Landschaft“ (nennenswertes Wirtschaftswachstum) auferstehen?Siegfried M.um 14:15

    Im vergangenen Jahr stand Griechenland vor der wirtschaftlichen Wende. Die Talsohle schien durchschritten. Die Erholung wurde jedoch jäh von erheblicher politischer Unsicherheit – wie geht es weiter mit den Reformen, bleibt Griechenland im Euro? – unterbrochen. Wenn politische Stabilität einkehrt kann es wieder bergauf gehen.

  • Was halten Sie von Schäubles neuem Vorschlag, den Griechen einen Schuldenschnitt zu gewähren, aber nur wenn sie bereit sind, den Euroraum vorübergehend zu verlassen? Käme das letztlich nicht einem dauerhaften Grexit gleich? Und was halten Sie grundsätzlich von einer Eurozone ohne Griechenland?Jürgen66um 13:41

    Ich halte es für durchaus möglich, dass ein zeitweiser Ausstieg auch zu einem dauerhaften Grexit führt. Das hätte Konsequenzen für die Forderungen im Zentralbank-System. Durch den Grexit würden diese Forderungen fällig gestellt. Das Geld wäre zwar nicht 1:1 weg. Aber es würden immense Verluste auftreten. Wir reden da über einen dreistelligen Milliardenbetrag. Wenn Griechenland den Euroraum nicht verlässt, würde dieser Betrag nicht als zusätzliche Last auf die Finanzminister zukommen. 

    Die Frage eines vorübergehenden Grexits wird aufgeworfen, da behauptet wird, dass ein Schuldenschnitt innerhalb des Euroraums juristisch überhaupt nicht möglich. Das müsste ein Jurist wissen, der sich mit den EU-Verträgen gut auskennt.

  • Grundwissen der Wirtschaft: Steuererhöhung und weniger Geld für Konsum (z.B. durch Rentenkürzungen), lässt die Wirtschaft eines Landes schrumpfen . Wie kann es sein, dass die EU Politiker und Finanzexperten Austerity als Weg aus der griechischen Schuldenkrise verkaufen können? Wie erklären Sie die das als Experte und was für Anreize gibt es für Investoren in Griechenland? Ich habe davon noch nichts gelesen.Katja Percoskium 15. Juli 17:11

    Der griechische Staat hat vor der Krise deutlich über seine Verhältnisse gewirtschaftet und war bzw. ist in einem vergleichsweise maroden Zustand. Da nun niemand mehr die Defizite von einst finanzieren möchte, muss sich der griechische Staat und mit ihm die gesamte griechische Wirtschaft an die neue Realität anpassen – so schmerzhaft dies auch ist. 

    Eine der Folgen der Anpassung, nämlich sinkende Löhne, dürfte für sich genommen Investoren, die z.B. für den Export produzieren wollen, anlocken. Damit die Investoren auch kommen, wäre politische Stabilität sehr hilfreich.

  • Warum hat man hier nicht versucht eine vernünftige finanzsteuerbehörde unterstützend mit aufzubauen?heidelinde topfum 9:25

    Sicherlich ein hilfreicher Vorschlag.
    Aber leider kann man souveränen Staaten nicht ohne weiteres in Form einer Parallelstruktur unter die Arme greifen. 

    Eine Taskforce war vor Ort und hat beraten. Letztlich bleibt der Umbau der Behörde eine Sache der Griechen.

  • Werden wir jetzt doch eine Transferunion? Oder sind wir das nicht sowieso schon?Martina B.um 14:23

    Es gibt dauerhafte Transfers in der EU wie die Strukturfonds oder die Subventionen in der Landwirtschaft.
     

    Die „Rettungsmilliarden“ stehen auf einem anderen Blatt. Ein Großteil der Mittel der ersten beiden Rettungspakete ging an die Altgläubiger. Auch von diesem Paket werden Anleihebesitzer profitieren, unter anderem die EZB.
  • Innerhalb der EU ist Griechenland wirtschaftlich ein Zwerg. Der Anteil des Landes am Sozialprodukt der EU betrug 2014 gerade einmal knapp 1,3 Prozent.


  • Warum ist es nicht möglich, zielgerichtet verschiedene wirtschaftliche Projekte zu unterstützen? Neben dem Tourismus bietet Griechenland doch auch hervorragende Produkte (Oliven, Wein, Käse etc.) und hat ein enormes Potenzial für erneuerbare Energien (Stromgewinnung via Photovoltaik, Wind, Müll/Bioenergie, Wärmeerzeugung etc.)???Basiliskum 14:07

    Es gibt durchaus Förderprogramme im Bereich der EU, die ähnliche Projekte unterstützen. Alle Investitionen in scheinbar lohnende Projekte sollten jedoch von privaten Investoren vorgenommen werden, Europa sollte nicht als Unternehmer aktiv werden. 

  • Glauben Sie dass Griechenland die wichtigen Forderungen der Geldgeber zum Umbau der Verwaltung rasch durchführen kann. Ich denke das Schaffen einer effizienten Verwaltung in Griechenland ist wichtiger als alles andere. Die Sparmaßnahmen sind doch nicht die Hauptsache und eher nebensächlich. Oder wie sehen Sie das?nörgelheinium 14:08

    Für das grundsätzliche Gelingen ist eine effiziente Verwaltung eine Grundbedingung.
    Aber es dauert halt sehr lange, bis die gesamte Verwaltung neu aufgebaut bzw. umgebaut wird. 
  • So setzt sich der Schuldenberg Griechenlands zusammen. Den größten Batzen machen die Darlehen im Rahmen des Eurorettungsfonds EFSF aus.


  • Werden die reichen griechischen Familien wie Latsis (4,5 Mrd.USD), Onassis (3,1 Mrd.USD), Haseotes (2,9Mrd.USD), Mistakidis (2,9Mrd.USD) und Niarchos (2,5Mrd.USD), um nur Beispiele zu nennen, zur finanziellen Rettung ihres Heimatlandes mit einbezogen?Charly H.um 14:14

    Schwer zu beantworten.
    Sofern sie allgemein steuerpflichtig sind, tragen sie dazu bei. Darüber hinaus gehende Regelungen sind mir nicht bekannt. 

  • Vielen Dank für das große Interesse an unserem Expertenchat, liebe Leser!
    Wir bemühen uns so viele Fragen wie möglichst zu bearbeiten, bitten aber um Ihr Verständnis, sollte Ihre Frage nicht dabei sein.

  • Durch wen oder welche Gelder werden IWF, EZB-Hilfen, ESM oder EFSF gespeist? Wer zahlt in welchem Verhältnis ein?soloHansum 14:32

    EFSF, ESM und EZB werden über den sogenannten Kapitalschlüssel abgerechnet.
    Danach hat Deutschland einen Anteil von 27%. Da man Griechenland rausrechnen muss, steigt der Anteil auf etwa 28%. Deutschlands Anteil an den IWF Hilfen beträgt nur knapp 6%.


  • Wenn Spanien seine Hausaufgaben gemacht hat, warum sind dann die Schulden von 2011 bis 2014 von 737 Mrd auf 1021 Mrd gestiegen?malnachgefragtum 14:16

    Im Verlauf der Krise hat Spanien Haushaltsdefizite aufgebaut UND eine Bankenrettung gestemmt, dadurch mehr Schulden angehäuft.
    Der Ausblick für Spanien ist aber durchaus positiv. 

    Die aktuelle Zuspitzung der Lage in Griechenland kommt vor allem durch politische Unsicherheiten zustande. Mitte 2014 sah es dort schon mal deutlich besser aus. 

  • Wir hören, dass Irland, Portugal und Spanien auf einem guten Weg sind, aus der Krise zu kommen bzw. es bereits geschafft haben. Die Vorgaben der Gläubiger können also nicht soooo wahnsinnig verkehrt sein und können zum Ziel führen. Was ist nun bei Griechenland so viel anders, dass dieses Land es nicht schafft, sich aufzurütteln?Bellefraiseum 13:09

    Griechenland
    hat über die Jahre hinweg das mit Abstand größte Anpassungsprogramm durchlaufen.
    Dies alleine erklärt aber nicht das Scheitern. Griechenland hat eine marode Verwaltung und ist politisch ausgesprochen instabil. Während beispielsweise Irland und Portugal seit Beginn der Krise den zweiten Ministerpräsidenten haben, ist es in Griechenland jetzt der fünfte. Die Instabilität schürt Unsicherheit (auch mit Blick auf die Frage über den Verbleib im Euro) und das ist Gift für private Investitionen.
    von Jens Boysen-Hogrefe bearbeitet von Daniel Reviol 7/16/2015 12:36:14 PM

  • Was halten Sie von dem Vorschlag, einen Soli für Griechenland einzuführen (ich weiss nicht mehr, von wem dieser Vorschlag kam)?Kirstenum 14:23

    Aktuell kann man die tatsächlichen Kosten nicht seriös beziffern.
    Daher fehlt die Basis, die diese Kosten in eine steuerrechtliche Maßnahme umzusetzen.


  • Ist mein Urlaub im September auf Kreta jetzt gesichert – d.h. es wird Benzin geben, das Flughafenpersonal streikt nicht, es gibt genug zu essen und ich muss nicht massenhaft Bargeld mitnehmen?Martinaum 14:38

    Streiks würde ich nicht ausschließen, selbst wenn die Verhandlungen positiv verlaufen. Zudem ist immer noch möglich, dass die Verhandlungen über das dritte Paket scheitern. Bargeld wird so oder so in Griechenland in der nächsten Zeit gerne gesehen sein.
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  • Kann eine Staatspleite nicht suchhilfreich für einen Neubeginn sein? Immerhin haben wir in Europa in den letzten Jahrzehnten schon diverse Staatspleiten zu verzeichnen. Auch Deutschland - wenn auch durch Kriegsschulden verursacht - hat es zu Wirtschaftswachstum gebrachtalandum 14:25

    Ja. Eine Staatspleite ist nicht der Untergang der Welt.

    Hier geht es um die Frage eines Verbleibs im Euro. Für die verbleibenden Länder könnte ein Grexit erhebliche Kosten verursachen, die höher wären als ein weiteres Hilfspaket. Ein Verbleiben wäre vermutlich der günstigere Fall. Hinzu kommen politische Erwägungen mit Blick auf das europäische Projekt.

  • Stammtisch-Parolen behaupten, das Geld der deutschen Steuerzahler wird an die faulen Griechen verschenkt, die dafür nichts auf die Reihe bekommen. Und für das eigene Volk ist kein Geld da. Deutschland muss den Luxus der Griechen und das „Großmachtgehabe“ der deutschen Exportwirtschaft finanzieren. Was ist aus Expertensicht da dran bzw. nicht dran?Janum 14:44

    Der griechische Staat hat vor der Krise in der Tat deutlich über seine Verhältnisse gewirtschaftet.
    Aber in der Krise ist es zu eine extremen Anpassung gekommen (sinkende Löhne, Entlassungen im öffentlichen Dienst etc.). Im vergangen Jahr konnten die laufenden Ausgaben der öffentlichen Haushalte aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden. 

    Bei den „Rettungsprogrammen“ geht es in erster Linie nicht darum den Lebensstandard in Griechenland zu konservieren, sondern es werden drastische Einschnitte gefordert.

  • Warum wird von Seiten der Sachverständigen nicht den neo-keynsianischen Vorschläge a) Geld ins griechisches Bankensystem zu pumpen b) Investitionen durch öffentliche EU Mittel widersprochen ? Es ist bewiesen das a) das frische Geld wieder nur gehortet wird und b) öffentliche Invbestitionen weder einen keynsianischen Multiplikator haben noch so produktiv sind wie private Investitionen und hierfür das Land keine Vertrauensgrundlage mehr besitztMelchiorum 14:07

    Es fällt mir schwer, hier zu widersprechen. Leider ist die Studienlage aber nicht eindeutig. Deshalb gibt es selbst unter Sachverständigen keine einheitliche Meinung dazu. 

    Mit Blick auf den Banken-Sektor ist es schon wesentlich, den Geldverkehr in Griechenland wieder herzustellen. Welche Maßnahme dafür am besten geeignet ist, sei dahingestellt.

  • Wie stehen Sie dazu das Banken und Investoren aus purer Gewinnsucht das Geld vom Markt ziehen um nur noch höhere Gewinne und Renditen zu erzeugen die letztlich wie eine Seifenblase zerplatzen. Wie kann es sein das EU Bürger in die Pflicht genommen werden weil Griechenlands Banken ausbluten gelassen wurden?Sascha Houbenum 14:29

    Bösartige Spekulanten sehe ich derzeit nicht am Werk, sondern eher das Verhalten von normalen Bankkunden, die Angst um ihre Einlagen haben. Das akute Problem des griechischen Banken-Sektors ist zum einen, dass die Geldeinlagen geschwunden sind. 

    Und zum anderen, dass die ausstehenden Kredite zum Teil in Zahlungsverzug sind und die Banken deshalb auf vielen unsicheren Forderungen sitzen. Der Geldkreislauf muss so schnell wie möglich wieder in Gang kommen, damit die wirtschaftliche Erholung ebenfalls wieder einsetzt.
  • Die deutschen Exporte werden durch die Griechenland-Krise kaum beeinträchtigt. Lediglich 0,4 Prozent der deutschen Ausfuhren gingen 2014 in das Land.


  • Wer musste beim Kompromiss mehr zurückstecken, die Griechen oder die Geldgeber? Was muss sich künftig in der Eurozone ändern, damit solche Situationen nicht mehr vorkommen?Türkum 14:56

    Die griechische Regierung konnte die großen Forderungen, mit denen sie einst ins Amt kam, nicht ansatzweise durchsetzen.
    In mehreren Details dürfte es aber Entgegenkommen gegeben haben. Wie nun im Falle Griechenlands weiter verfahren werden soll, ist sehr schwer zu beurteilen und diese Frage wird uns vermutlich immer wieder in den kommenden Jahren beschäftigen.

    Für die „Rettungsarchitektur“ insgesamt zeigt sich, dass das „Retten“ von Staatsschulden große Probleme aufwerfen kann und dem Verhältnis zwischen „Rettern“ und „Geretteten“ nicht zuträglich sein muss. In den nächsten Staatsschuldenkrisen sollte so früh wie möglich ein Schuldenschnitt (der privaten Gläubiger) erfolgen. 

    Damit dies über das Bankensystem nicht doch wieder den Steuerzahlern auf die Füße fällt, ist der Ball im Feld der Bankenregulierung. Die Bankenunion hat das Potential viel Gutes zu erwirken.
  • von Stefan Obst bearbeitet von Daniel Reviol 7/16/2015 12:59:20 PM

  • Haben wirklich die Sparzwänge der Gläubiger zu der Rezession in Griechenland geführt oder beigetragen? Man muss ja immer berücksichtigen, dass es Griechenland auch schon vorher schlecht ging (hohe Schulden, hohes Haushaltsdefizit) und dass die Vorgaben der Gläubiger immer nur halbherzig bis gar nicht umgesetzt wurden.Bernhardum 14:59

    Man sollte bedenken, dass ein Teil der "Rettungsmilliarden", wenn auch nur ein kleiner, in die laufenden Haushalte Griechenlands floss. 

    Ohne das Zutun der Geldgeber  - also hätte man Griechenland im Jahr 2010 der Staatspleite überlassen - wäre die Anpassung wohl kaum geringer ausgefallen.

  • wäre es nicht sinnvoller den EURO als gemeinsame Währung abzuschaffen und jedem Land seine eigene Währung zurückzugeben? Denn ist es nicht so, dass die EG (EWG) ohne gemeinsame Währung genau so funktioniert hat und jeder Land dadurch, je nach den vorherrrschenden Verhältnissen, auf- und abwerten kann?dasbienchenum 14:33

    Prinzipiell ist es richtig, dass der Handel auch im alten Währungssystem gut funktioniert hatte. Allerdings wären die Kosten einer Rückabwicklung einer Währung erheblich. Und ob die Schwankungen vieler europäischer Währungen letztlich besser wären, steht nicht fest. 

    Außerdem ist nicht gesagt, dass der Euro die Schuldenkrise ausgelöst hat. Auch ohne Euro kann es zu Schuldenkrisen kommen. 


  • Die Wirtschaft in Griechenland muss bergauf gehen, wenn der Schuldenabbau vollzogen werden kann und Griechenland insgesamt in ein besseres Fahrwasser kommt. Mit welchen Wachstumsraten müssten wir mindestens rechnen - bei den gleichbleibenden Konditionen und der von Ihnen konstatierten politischen Stabilität? Und dann über welchen Zeitraum? Und damit die Frage: Wie realistisch ist ein solches Wachstum?TomKruiseum 14:44

    Der IWF rechnet in den nächsten Jahren (fast Jahrzehnten) mit nominalen Wachstumsraten von drei bis vier Prozent. Aber auch der IWF mahnt ja eine Umschuldung zumindest teilweise an. 

    In den vergangenen Monaten und durch die jüngsten Zuspitzungen im griechischen Bankensystem hat sich die Schuldentragfähigkeit Griechenlands massiv verschlechtert. 

  • Wenn Herr Tsipras zuruecktritt und Neuwahlen erforderlich werden, was sind dann die beschlossenen Reformen noch wert, die ohnehin gegen das Volk verabschiedet wurden ?Tiffanyum 14:43

    Es kommt auf das Wahlergebnis an. Es hängt davon ab, ob die danach bestehende Regierung sich an die Vorgaben gebunden sieht. 

  • Offenbar ist der 50-Milliardenfond eine Leermenge. Das bedeutet, dass die Griechen daraus auch nicht ausreichend kein Geld zum Investieren bekommen. Die griechische Wirtschaft kann so nicht gesunden, geschweige denn die Schulden zurückzuahlen. Wäre es deshalb nicht geschickter, über niedrige Unternehmenssteuern Anreize für Investoren zu schaffen?Querd1um 14:48

    Vordringlich ist, dass die Investoren in Griechenland wieder eine verlässliche Basis finden. 


    Die politische Stabilität im Lande ist dafür entscheidend. Mehrere Faktoren für Unternehmensinvestitionen sind derzeit deutlich günstiger als noch vor fünf Jahren - Stichwort: Lohnniveau. Ob die 50 Milliarden tatsächlich erreicht werden, halte ich auch für fraglich. 


  • Glauben Sie, dass die Gemeinschaft um einen zumindest teilweisen Schuldenschnitt herumkommt?Mannieum 15:13

    Ökonomisch gesehen wird es
    bereits mit dem dritten Programm eine Art Schuldenschnitt geben in Form von Umschuldungen (längere Laufzeiten, niedrigere Zinsforderungen).
     

    Was dann letztlich in 30 oder 40 Jahren aus diesen Forderungen wird, wage ich jetzt nicht vorherzusehen.
    von Jens Boysen-Hogrefe bearbeitet von Daniel Reviol 7/16/2015 1:15:17 PM

  • Wäre ein Grexit mit zeitweisem EU Austritt nicht besser für Griechenland, damit zum Beispiel Immobilienkäufe von "nichtgriechischen Schnäppchenjägern" sei es das private Ferienhaus oder auch kleine Hotels etc.. von Staats wegen unterbunden werden können? Es wird doch sonst ein zwangsweiser Ausverkauf vor Privatinsolvenz zu billigsten Preisen werden?Koboldum 15:16

    Ausländische Investoren sind nicht unbedingt das schlechteste in der aktuellen griechischen Situation. 

    Würde der Staat hier Transaktionen unterbinden, wären die Gläubiger der Besitzer der genannten Immobilien noch stärker benachteiligt. Schlicht deren Forderungen mit einer neuen Währung auszudrucken, würde die neue Drachme auf Talfahrt bringen und somit würden dann alle Geldnutzer und  -besitzer geschädigt.

  • Griechenland hat einen Etat für Ihre Armee von rd. 4,2 Mrd. Warum wir da nicht radikal gekürzt?Anwalt Dum 14:47

    Die jetzigen Sparvereinbarungen sehen durchaus Einsparungen in diesem Bereich vor. Und es hat auch bereits Kürzungen gegeben. 

    Tatsächlich ist es der nationalistische Koalitionspartner von Syriza, der durchaus hohe Militärausgaben für wichtig erachtet, so dass zurzeit vergleichsweise geringe Einsparungen im Raum stehen.

  • Welchen Vorteil haben die Bürger Europas davon, dass Unsummen in das griechische Schuldenloch investiert werden, die vermutlich langfristig nie zurückgezahlt werden können? Wenn man investiert, hat man doch auch immer ein Eigeninteresse. Welches ist das für "uns"?Daniel B.um 15:19

    Im Jahr 2010 haben die europäischen Politiker für die „Rettung“ der griechischen Staatsfinanzen votiert, weil die Sorge bestand, dass es zu weiteren Krisen in anderen Staaten kommt und letztlich das europäische Finanzsystem vor dem Abgrund zu stehen schien. 

    Die Rettungspolitik hat somit auch deutsche Banken und Versicherungen und damit auch deutsche Anleger und Sparer im Blick gehabt. Da die europäischen Banken und Versicherungen in Griechenland nicht mehr engagiert sind, geht es darum aber aktuell nicht mehr. Jetzt geht es mit Blick auf die Eigeninteressen um die Frage, wie die Forderungen gegenüber Griechenland „gemanagt“ werden sollen und wie welche politischen Folgen ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro hätte.

  • Wie würden Sie, Herr Boysen-Hogrefe, die Griechenlandkrise besser als derzeit geplant zu einem für alle Seiten versöhnlichen Ende führen?Siegfriedum 15:20

    Kaum zu beantwortende Frage: Gegen jeden Vorschlag, sei es nun ein Schuldenerlass, sei es der Grexit, kann man berechtigte Einwände ins Feld führen – wie auch für die aktuelle Politik.
     

    Letztlich ist die Griechenlandkrise ein Novum in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte und man kann sich schlecht an historischen Beispielen orientieren.
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